Stressfaktoren bei Eltern und Schülern am Übergang zur Sekundarstufe

Auch wenn Kinder in Deutschland laut aktuellen Studien mehrheitlich sehr zufrieden mit ihrem Leben sind, zeigt sich eine Abnahme des Wohlbefindens bereits im Laufe der Grundschulzeit. Als Hauptfaktor des Unwohlseins geben Kinder die Schule an. Besonders häufig zeigt sich die Angst vor schlechten Noten. Das gilt insbesondere, wenn Eltern durch erhöhte Leistungserwartungen Druck auf ihre Kinder ausüben.

Dabei hat die Konflikthäufigkeit mit den Eltern wegen schulischer Leistungen oft einen stärkeren Einfluss auf das Stressempfinden der Kinder als die subjektiv wahrgenommenen schulischen Anforderungen selbst. Besonders Eltern mit einem höheren sozioökonomischen Status haben überhöhte Zielvorstellungen bzgl. des schulischen Abschlusswunsches ihrer Kinder. Diese Zielvorstellungen kommen insbesondere in der Übergangsphase zur Sekundarstufe zum Tragen.

Das Projekt „STRESS – Stressfaktoren bei Eltern und Schülern am Übergang zur Sekundarstufe“ untersucht, wie sich das Stressempfinden und die Stressverarbeitung bei Kindern und ihren Eltern von der dritten bis zum Ende der vierten Klasse verändern. Es wird angenommen, dass das Stressempfinden bis zum Übergang in die Sekundarstufe steigt und dass resiliente Familien den Übergang erfolgreicher bewältigen als andere Familien. Die Annahme wird in einer Längsschnittuntersuchung mit drei Messzeitpunkten geprüft. Dabei werden Kinder und Eltern mittels Fragebogen in der dritten und in der vierten Klasse vor und nach der Übertrittsempfehlung befragt.

Zentrale Befunde der Elternbefragung 2014
Erstmals wird in Deutschland eine Studie durchgeführt, die die Stressbelastung von GrundschülerInnen am Übergang von der Primar- in die Sekundarstufe erfasst. Die schriftliche Befragung von 1.620 Eltern aus den Bundesländern Bayern und Hessen zeigt dabei, dass

  1. die an Schulnoten gekoppelte und bindende Übertrittsregelung in Bayern zu einer höheren Stressbelastung bei Kindern führt als die hessische Form der beratenden Übertrittsempfehlung.
  2. vor allem Kinder aus bildungsfernen Familien einer hohen Stressbelastung ausgesetzt sind, weil sie weniger über stresshemmende Schutzfaktoren verfü- gen als Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern.
  3. Eltern durch überzogene und unrealistische Bildungserwartungen die Stressbelastung für ihre Kinder nochmals erhöhen und hierdurch zur Gefährdung ihrer Kinder beitragen.
  4. die Grundschulkinder in Bayern, die an der Notenschwelle zwischen Mittel- und Realschulempfehlung liegen, eine erhebliche Risikogruppe darstellen. Die SchülerInnen weisen nicht nur die höchsten Stresswerte auf, sie sind auch die einzigen SchülerInnen, bei denen der Stress von der dritten zur vierten Klasse dramatisch ansteigt.


Projektleitung

Prof. Dr. Heinz Reinders

Mitarbeiterin des Projekts
Juliane Niemack (M.A.)

Laufzeit des Projekts
2014 - 2017


Publikationen

REINDERS, H., EHMANN, T., POST, I. & NIEMACK, J. (2015). Stressfaktoren bei Eltern und Schülern am Übergang zur Sekundarstufe. Abschlussbericht über die Elternbefragung in Hessen und Bayern 2014. Schriftenreihe Empirische Bildungsforschung, Band 33. Würzburg: Universität Würzburg. Download
Zuletzt aktualisiert: 30 April 2015