Kompetenzunterschiede und Bildungsgangwechsel bei Schülern mit Migrationshintergrund

Der Nachweis durchschnittlich geringerer Kompetenzen von Schülerinnen und –schülern mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Schülerinnen und Schülern deutscher Herkunft ist in den Fächern Deutsch, Mathematik und den Naturwissenschaften hinreichend erbracht . Diese mittleren Unterschiede lassen sich unter anderem mit im Durchschnitt geringerer bildungssprachlicher Kompetenz sowie ungünstigeren familialen Bedingungen im Bereich ökonomischen und kulturellen Kapitals erklären. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Migrantenschülerinnen und -schüler unter Kontrolle des sozio-ökonomischen Status sich dem Kompetenzniveau deutscher Schülerinnen und Schüler annähern und bspw. Grundschülerinnen und -schüler türkischer Herkunft mit vergleichbaren Leistungen und sozio-ökonomischem Status häufiger auf das Gymnasium wechseln als Gleichaltrige deutscher Herkunft .

Es wird angenommen, dass die bei Migranten auftretende Varianz in o.g. Fachkompetenzen über die Proxy-Variable „Migration“ und auch über die Ausdifferenzierung nach sozio-ökonomischem Status hinaus durch weitere Variablen erklärt werden kann. Als solche Merkmale werden im geplanten Forschungsprojekt lern- und lernerfolgsrelevante Variablen angesehen, die allgemein in der Lehr-Lernforschung zur Erklärung von Kompetenzerwerb und Lernen theoretisch angenommen und empirisch bestätigt werden (Eccles & Wigfield, 2002). Im Einzelnen wird der Fokus auf die Bildungsaspirationen der Schülerinnen und Schüler, ihr akademisches Selbstkonzept und ihre Lernmotivation gelegt. Diese Variablenauswahl folgt der Schnittmenge aus bisherigen Befunden der Lehr-Lernforschung und der Verfügbarkeit dieser Variablen in den PISA-Studien.

Die skizzierte Annahme wird in zwei Schritten geprüft. Zum einen werden die Daten der PISA-Studie herangezogen, um querschnittlich das Zusammenspiel von Bildungsaspirationen, akademischem Selbstkonzept sowie Lernmotivation mit den Fachkompetenzen bei Migrantenschülerinnen und -schülern zu prüfen; unter Kontrolle der Herkunftskonstellation sowie der familialen Ausstattung mit ökonomischem und kulturellem Kapital. Zum anderen wird eine Längsschnittstudie mit zwei Messzeitpunkten konzipiert, in der Kompetenzveränderungen sowie ein faktischer Bildungsgangwechsel von Migranten über kontextuelle und individuelle Variablen vorhergesagt werden sollen.

Laufzeit
2012-2015

Projektleitung
Prof. Dr. Heinz Reinders
Prof. Dr. Burkhard Gniewosz

MitarbeiterInnen
Dipl.-Päd. Martin Fresow
Dipl.-Päd. Paulina Rettich

Förderung
BMBF


Publikationen 

  1. REINDERS, H., FRESOW, M. & FRESOW, P. (2016). Kompetenzunterschiede und Bildungsgangwechsel bei Schülern mit Migrationshintergrund – Ergebnisse zur Vorhersage der Mathematikleistungen durch individuelle Voraussetzungen. In: BMBF (Hg.), Forschungsvorhaben in Ankopplung an Large-Scale-Assessments (S. 4-22). Berlin: BMBF (Download)
  2. FRESOW, M., RETTICH, P., GNIEWOSZ, B. & REINDERS, H. (2012). Individuelle Bedingungen für erfolgreiche Bildungskarrieren bei Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund (Individual factors fostering migrants' academic careers). Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, 4, 473-480.
  3. RETTICH, P., FRESOW, M., GNIEWOSZ, B. & REINDERS, H. (2012). Das Projekt KUBIS. Kompetenzunterschiede und Bildungsgangwechsel bei Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund (The KUBIS-project. Academic competence and school track shifts of migrant students in Germany). Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisationsforschung, 32(03), 330-331. 
Zuletzt aktualisiert: 03 August 2016